Welche Formen der Psychotherapie und Psychotherapieverfahren gibt es?

Psychotherapie ist eine Heilbehandlung, vom Ursprung des Wortes her „heilende Behandlung der Seele, des Gemütes“. Ihr Ziel ist die Linderung oder Beseitigung von psychischen Symptomen oder anderen seelischen Einschränkungen und Beschwerden, die die Lebensqualität eines Menschen so einschränken, dass Leidensdruck entsteht.

Die Grundlage jeder psychotherapeutischen Behandlung ist die therapeutische Arbeitsbeziehung zwischen Psychotherapeut_in und Patient_in. Diese Beziehung wird durch bestimmte Rahmenbedingungen definiert, zum Beispiel durch Verbindlichkeit der Absprachen, Schweigepflicht der Therapeut_innen Dritten gegenüber und durch Ausgewogenheit zwischen professioneller Distanz und menschlichem Engagement auf Seiten der Therapeut_innen (siehe auch Abschnitt „Qualität eines psychotherapeutischen Angebotes“, Seite 24). Über das gemeinsame Gespräch findet der Zugang zueinander statt, sodass auf dieser Grundlage Vertrauen entstehen kann. Sollte sich dieses Vertrauensverhältnis nicht entwickeln, kann gemeinsam nach anderen Lösungen gesucht werden.

Das Gespräch ist das zentrale Element einer Psychotherapiebehandlung. Es gibt jedoch psychotherapeutische Methoden, die auch andere Elemente mit einbeziehen, z.B. konkrete praktische Verhaltensübungen, Übungen mit inneren Vorstellungen und Bildern oder Körperübungen. Je nach Therapieverfahren wird auch, wenn sich dies als notwendig und sinnvoll erweist, außerhalb der therapeutischen Praxis gearbeitet, zum Beispiel, wenn es um die Überwindung von Angst in einer konkreten Alltagssituation geht.

 

Vielzahl von Methoden

Es gibt eine Vielzahl psychotherapeutischer Verfahren und Methoden mit unterschiedlichen therapeutischen Vorgehensweisen, Zielsetzungen, theoretischen Modellvorstellungen und Menschenbildern im Hintergrund. Zahlreiche davon sind im Teil 2 dieses Bandes kurz beschrieben. Da die meisten Psychotherapeut_innen mehrere verfahrensspezifische Ausbildungen absolviert haben und sich fortlaufend weiterbilden, können Sie davon ausgehen, dass in einer psychotherapeutischen Behandlung Elemente aus unterschiedlichen therapeutischen Verfahren und unterschiedliche therapeutische Methoden zur Anwendung kommen können. Ihr/e Therapeut_in sollte Ihnen jederzeit Auskunft darüber geben können, welche therapeutische Methode gerade angewandt wird, auf welchem theoretischen Hintergrund sie basiert und welche Zielsetzung dabei verfolgt wird.

Die gesetzlichen und privaten Krankenkassen finanzieren nicht jedes Therapieverfahren. Sie übernehmen grundsätzlich die Kosten für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Psychoanalyse und Verhaltenstherapie.

Die Gesprächspsychotherapie ist wissenschaftlich anerkannt worden, die Kosten werden jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht von den Kassen übernommen. Auch andere Verfahren, wie zum Beispiel Familientherapie, Gestalttherapie, Psychodrama und Körperpsychotherapie werden seit vielen Jahren erfolgreich in Kliniken und anderen Institutionen angewandt. Vertreter_innen der Fachverbände bemühen sich um eine Anerkennung durch die Krankenkassen, damit auch diese Therapieformen in der ambulanten Psychotherapie finanziert werden können.

 

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